Seit dem 1. Januar dieses Jahres bin ich bereits offiziell Ihre neue Pröpstin – und habe bereits einige Kirchenverordnete sowie Kolleginnen und Kollegen des Hauptamts kennen lernen dürfen. Der Empfang in meinem nun zweiten Propsteibüro war sehr herzlich – und überhaupt macht es Freude, die bekannte Aufgabe nun in noch unbekannten Kontexten neu angehen zu dürfen. Und das unter dem beflügelnden Wort der Jahreslosung „Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu“ aus dem Buch der Offenbarung.
„Beflügelnd?“, mögen Sie fragen, schließlich neigen wir Menschen nicht nur auch dazu, Veränderungen freudig zu begrüßen. Viel öfter taugen uns die gewohnten Kleider, da weiß man, was man hat. Veränderungen sieht manch einer eher mit Sorge entgegen – im Privaten, im Beruflichen, im Ehrenamt. Wie wird es werden? Was wird mein Teil in dem Neuen sein? Wird es für die meinen und mich besser oder schlechter sein? Viele Veränderungen stehen an –und meine Aufgabenbeschreibung als Pröpstin zählt bereits dazu. Zunächst bin ich laut Urkunde bis zum 31.12.2029 als Ihre Interimspröpstin eingesetzt. Zu meinen Aufgaben gehört neben den Angelegenheiten Ihrer Propstei auch, all das zu begleiten, was sich derzeit im Entstehen neuer kirchlicher Strukturen auf Propstei-, Kirchenverbands- und Gemeindeebene befindet. Gleichzeitig bleibe ich Pröpstin der Propstei Helmstedt. Was ich abgegeben habe, um diese Funktionen erfüllen zu können, sind die Aufgaben des Gemeindepfarramtes.
Im Beteiligungsprozess des vergangenen Jahres habe ich viel von Sorgen gehört, und Unmut, unter veränderten Bedingungen noch mitzutun. Ich kann das gut verstehen, schließlich war die Kirche, in der ich groß geworden bin, für die ich ein ziemlich umfangreiches Studium und Vikariat absolviert habe und in für die ich oft für ganz verschiedene Aufgaben umgezogen bin und mich auf neues eingelassen habe, eine Kirche, in der auch ich gern war. Eine Kirche, die gut war. Wie soll ich sagen?
Vom Typ her bin ich vermutlich jemand, die eher veränderungsfreudig ist. (…). Und so schaue ich auch auf die Aufgaben der kommenden Jahre: Erst einmal ist es ganz wunderbar, Sie (…) kennenlernen zu dürfen und gerne auch davon zu erfahren, was Ihnen auf dem und am Herzen liegt. Gleichzeitig bin ich gewiss, dass wir die alten Strukturen nicht aufrecht erhalten können – und bleibe doch von Herzen überzeugt, dass die Verkündigung des Evangeliums an keinem Stein und an keinem Haushalt, sondern an uns als Christenmenschen liegt. Solange wir davon erzählen, worin unser Glaube uns stärkt, warum er die Füße auf weiten Raum stellt und den Kopf frei macht und weshalb es einen ungeheuren Wert hat, über das Leben auf Erden hinaus zu glauben und zu vertrauen, solange hoffe ich darauf, dass es Gott selbst ist, der sich die Seinen aus Steinen zu erwecken vermag (Lk 3,8). Er ist es, der unsere Herzen bewegt und uns in Bewegung bringt. Für das Evangelium. Für die gute Nachricht von einer Welt, in der wir auf das Heilige vertrauen und in der wir einander wichtig sind und auch uns selbst wichtig sind. Dabei sind wir nicht allein, sondern mit dem unterwegs, der da sagt: „Siehe, ich mache alles neu“.