Eine gute Botschaft aus fernen Landen ist wie kühles Wasser für eine durstige Kehle. Sprüche 25, 25

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02.06.2026 Kategorie: Nachrichten_alle, Nachrichten_Flechtorf, Nachrichten_Lehre

Keine Angst vor der Strukturreform

Ich kann als neuer Pastor nur dafür werben, die sich ändernden Strukturen anzunehmen und vor Ort zu gestalten. Auch ich bedauere die Entwicklung der „Entkirchlichung“ unseres Landes zutiefst. Die Kirche ist nicht mehr die, in der ich in den 70ern und 80ern groß geworden bin und mich für den Pfarrerberuf entschieden habe.

Am meisten betrauere ich, dass sich in den größeren Strukturen die Verbindung zwischen „unserem Pastor“ und „meiner Kirchengemeinde“ langsam auflösen wird.

Das muss nicht heißen, dass die Kirche die Menschen vor Ort verliert, denn Kirche sind ja nicht nur die Hauptamtlichen! Wo es gelingt, dass Ehrenamtliche vor Ort für Kirche präsent sind (mit Unterstützung von immer weniger werdenden Pfarrpersonen), wird Kirche lebendig bleiben, vielleicht sogar leichter als mit den ganzen Verwaltungsaufgaben, die auf die Kirchenvorstände im Finanz-, Personal- und Gebäudebereich zur Zeit einprasseln. Orte, die erwarten, dass die Landeskirche künftig jemanden vorbeischickt, der/die bei ihnen „Kirche“ macht, werden es schwer haben.

In Krisenzeiten sucht man oft nach Schuldigen. Und sicherlich hat „Kirche“ nicht alles richtig gemacht. Auch ich ziehe mir den Schuh an, dass meine Pfarrergeneration trotz vieler Aktivitäten und Gemeindeaufbauprogrammen, in denen auf Menschen zugegangen wurde, es nicht geschafft hat, genügende neue Pfarrerinnen und Pfarrer zu gewinnen. Aber muss an gesellschaftlichen Entwicklungen eigentlich immer jemand „schuld“ sein? Die Strukturreform ist es definitiv nicht, denn die Entwicklungen sind schon da! Schon jetzt nehmen Amtshandlungen, Konfirmandenzahlen, Gottesdienstbesucher/innen, Gemeindeglieder, die Anzahl von Pfarrpersonen erschreckend ab. Die Strukturreform initiiert diese Entwicklung nicht, sie reagiert darauf!

Wenn nichts passieren würde, wäre das der Tod der Kirche auf dem Lande. Denn die wenigen Pfarrstellen, die noch besetzt werden könnten, wären die in den Städten.

Die beschlossene Strukturreform möchte die vorhandenen Pfarrer gerecht verteilen und in Teams zusammenschließen, damit sie sich gemeinsam entlasten können und zusätzlich durch Fachleute aus anderen Berufen entlastet werden. Und auch den Gemeinden wird gezeigt, dass man die Zukunft nur zusammen meistern kann.

Zudem nimmt die Reform in der mobiler und digitaler werdende Gesellschaft ernst, dass „kirchliche Orte“ nicht nur die bisherigen Kirchengemeinden mit ihren Kirchen sind, sondern alle Orte, wo „Kirche“ stattfindet: Kindergärten, Schulen, Dorfgemeinschaftshäuser, Heime, ein Einkehrwochenende, ein Segelschiff mit Konfirmanden, …

Ich hoffe, dass die Reform nicht scheitert, auch wenn sich viel ändern wird. Meine Hoffnung ist, dass man sich in den künftigen Ortsausschüssen befreit von Verwaltungsballast auf das konzentrieren kann, was wirklich wichtig ist: Die Menschen vor Ort und die frohe Botschaft Jesu Christi.

Beitrag von Pfarrer Lothar Voges